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Sind Sie verliebt?
Es ist Frühling! Sechs von zehn
Menschen sind jetzt verliebt, hat man statistisch nachgezählt.
Und da sind Camilla und Charles noch gar nicht mitgerechnet. Einfach
hier so unter uns. Ist das nicht großartig?! Eins, zwei drei,
vier fünf, sechs – alle verliebt. Sieben, acht, neun,
zehn – die nicht. Himmel, erbarme dich. Vier von zehn geht
ja noch. Vierzig von hundert, na ja. Vierhundert von Tausend –
boah! 28000 Unverliebte in unserer Stadt – 32 Millionen in
ganz Deutschland.
Da haben wir sie, die dunkle Seite des
Frühlings. 40 Prozent der Bevölkerung ist unverliebt.
Ja, weshalb dann überhaupt noch Frühling? Nur damit es
einer knappen Mehrheit etwas heißer durch die Adern rauscht?
Aggressive Ozonluft und grelle Sonne an längeren Tagen fördern
den Stoffwechsel, bereiten uns schonungslos fürs Verliebtsein
auf. Und wir wissen aus tausend Kinofilmen: das ist nicht unbedingt
angenehm, aber doch eben so dermaßen himmlisch… Wie
schaffen es da vier von zehn, der Sache zu entkommen, wo sie doch
auch schon wieder zwei und zwei sind? Rein rechnerisch geht die
Verliebtheitsrechnung also auf. Ungleiche geschlechterspezifische
Mehrheitsverhältnisse spielen sowieso keine Rolle mehr.
Was hätten Sie gesagt, wenn der
Statistiker mit dem Fragebogen vor Ihnen steht: "Sind Sie verliebt?"
– Äh, wie meinen Sie das? Ob ich verliebt bin? Wissen
Sie, da müssen Sie die Jüngeren fragen. – Jetzt
sind wir schon wieder bei Charles und Camilla. Es ist doch nicht
die Aufgabe dieser Kolumne, neue Grenzwerte festzulegen. Also: "Sind
Sie verliebt?"
"Was für eine indiskrete Frage,
natürlich nicht." Wer so antwortet… oho! Vielleicht
noch mit der schroffen Erklärung: "Nein, ich bin verheiratet!"
Ja, da merkt man es vielleicht nicht mehr so spontan, aber wollen
Sie deshalb auf die Seite der Unverliebten?
"Kommt vielleicht noch." So
im Vorüberhasten haben Sie das dem Meinungsforscher zugerufen.
War eigentlich ein ganz Netter, wie der so dastand und nicht recht
wusste, wo denn nun der Strich hinkommt.
"Ja, in meine neue Bluse!"
antwortet eine junge Frau und schwenkt die Einkaufstüte, die
das neue Lockmittel umgibt. Will sie doch jemanden damit in ihren
Bann ziehen, der sie auch ohne Bluse liebt.
"Jaaha!" hört man von
einem anderen. Solche swingenden Jas bedürfen keiner Interpretation.
Akuter Fall im Mehrheitsbereich der Verliebten.
"Keine Zeit!" meint ein Eiliger.
Nicht für ein knappes Ja oder Nein? Vermuten wir mal, er hat
schon genug Zeit im Flirt verbracht, es muss ja auch noch Business
sein.
"Ob ich verliebt bin? Wie kommen
Sie denn darauf? Sieht man das?" Oh, bitte, keine Panik. Doch,
doch, man sieht es – und irgendwie beruhigt geht der junge
Mann weiter.
Keine Spur von 6:4, alles irgendwie verliebt.
Bliebe noch die ergraute Seniorin, die wie aus längst vergangenen
Zeiten vorüberspaziert. "Komm mein kleiner Liebling",
sagt sie und zupft an der Leine. Zärtliche Blicke treffen sich.
Sind Sie verliebt? Denken Sie genau nach,
bevor die der Statistik Recht geben.
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